Die Lehre vom dreieinigen Gott

Was ist die Dreieinigkeit?

Die Dreieinigkeit (lat. Trinitas) ist die christliche Lehre, dass der eine Gott ewig in drei Personen existiert: Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei Personen, eine göttliche Substanz.

Diese drei Personen sind weder drei Götter noch drei Modi desselben Wesens, sondern gleichewig, gleichrangig und wesensgleich in einem unteilbaren göttlichen Sein – in den Konzilien von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) als zentrales Bekenntnis des historischen Christentums bewahrt.

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Scutum Fidei — das Schild des Glaubens

„Wir verehren den einen Gott in der Dreieinigkeit und die Dreieinigkeit in der Einheit, ohne die Personen zu vermengen oder das Wesen zu trennen.“
Athanasianisches Glaubensbekenntnis

Una substantia, tres personae

Die drei Personen der Dreieinigkeit

Eine göttliche Substanz, drei ewige Personen. Jede ist vollständig Gott – und doch sind sie nicht miteinander identisch.

Der Vater

Gott der Schöpfer

Quelle allen Seins, transzendente Autorität. Der Vater sendet den Sohn und den Heiligen Geist und ist Ursprung der innertrinitarischen Ordnung – ohne je weniger Gott zu sein als der Sohn oder der Geist.

„Nur ein Gott, der Vater“? – zu 1. Korinther 8,6

Der Sohn

Gott das Wort – Jesus Christus

Fleischgewordenes, ewiges Wort Gottes (Logos). Vollständig Gott und vollständig Mensch. Als historischer Erlöser stirbt er am Kreuz und überwindet den Tod – als derselbe, der die Welt miterschaffen hat.

Ist Jesus Gott?

Der Heilige Geist

Gott die Kraft – der Beistand

Innewohnende Gegenwart Gottes in der Gemeinde und im Gläubigen. Heiliger, Tröster und Lehrer. Vom Vater und dem Sohn ausgehend (filioque), belebt er die Kirche durch die Jahrhunderte.

Wer ist der Heilige Geist?

Biblische Grundlagen

Die Dreieinigkeit in der Bibel

Das Wort „Dreieinigkeit“ kommt in der Bibel nicht vor – die Sache selbst durchzieht jedoch das ganze Neue Testament. Sechs Stellen, an denen die Lehre greifbar wird:

Matthäus 28,19

„Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Der Taufbefehl Jesu: ein Name – im Singular – für drei Personen. Auf diese Formel wird seit dem ersten Jahrhundert getauft.

Matthäus 3,16–17

Die Taufe Jesu am Jordan

Alle drei Personen handeln gleichzeitig: der Sohn steigt aus dem Wasser, der Geist kommt in Gestalt einer Taube herab, der Vater spricht vom Himmel. Gott tritt also nicht nacheinander in drei Rollen auf.

2. Korinther 13,13

„Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“

Der apostolische Segen – eine der ältesten trinitarischen Formeln, bis heute Abschluss unzähliger Gottesdienste.

Johannes 1,1.14

„Das Wort war Gott … und das Wort ward Fleisch.“

Die Gottheit des Sohnes: Der ewige Logos, durch den alles geschaffen ist, wird in Jesus von Nazareth Mensch.

Johannes 14,16–17.26

„Er wird euch einen anderen Tröster geben.“

Der Heilige Geist ist keine unpersönliche Kraft: Er lehrt, erinnert, tröstet und wohnt in den Gläubigen – Kennzeichen einer Person.

5. Mose 6,4

„Höre, Israel: Der HERR, unser Gott, ist ein einziger HERR.“

Das Schma Israel. Die Trinitätslehre gibt den biblischen Monotheismus nie auf – sie buchstabiert ihn aus: ein Gott, drei Personen.

Begriffsklärung

Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit oder Trinität?

Drei Wörter, eine Lehre. Die Begriffe sind in der Sache austauschbar – sie setzen lediglich unterschiedliche Akzente und stammen aus verschiedenen Traditionen.

Dreieinigkeit

Wörtlich „drei-einig“: Der Begriff betont die Einheit der drei Personen im einen göttlichen Wesen. Im evangelischen Sprachraum die gebräuchlichste Bezeichnung.

Dreifaltigkeit

Betont die Entfaltung des einen Gottes in drei Personen. In der katholischen Tradition üblich – etwa im Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten.

Trinität

Der theologische Fachbegriff, vom lateinischen trinitas. Um das Jahr 200 vom Kirchenvater Tertullian geprägt und bis heute in der Wissenschaft gebräuchlich.

Konzilsgeschichte

Wie die Kirche die Dreieinigkeit formulierte

Die Konzilien haben die Dreieinigkeit nicht erfunden. Sie haben den biblischen Befund gegen Irrlehren verteidigt und Schritt für Schritt präzise formuliert.

um 200

Tertullian prägt den Begriff

Der Kirchenvater fasst den biblischen Befund erstmals in die lateinische Formel una substantia, tres personae – „eine Substanz, drei Personen“.

325

Konzil von Nicäa

Gegen Arius, der den Sohn zum höchsten Geschöpf erklärte, bekennt die Kirche: Der Sohn ist „wesensgleich“ (homoousios) mit dem Vater – „gezeugt, nicht geschaffen“.

Arius, Nizäa und die Trinität

381

Konzil von Konstantinopel

Das Konzil bekräftigt die Gottheit des Heiligen Geistes und vollendet das Nicäno-Konstantinopolitanum – das Bekenntnis, das Ost- und Westkirche bis heute verbindet.

451

Konzil von Chalcedon

Die Kirche präzisiert, wie Gottheit und Menschheit in Christus zusammengehören: eine Person in zwei Naturen, „unvermischt und ungetrennt“.

um 500

Athanasianisches Bekenntnis

Das Athanasianum fasst die Trinitätslehre in ihrer klassischen westlichen Form zusammen – die Inschrift oben auf dieser Seite stammt daraus.

Abgrenzungen

Was die Dreieinigkeit nicht ist

Die klassischen Missverständnisse sind so alt wie die Lehre selbst – und jedes wurde von der Kirche geprüft und verworfen.

Tritheismus

„Drei Götter“

Die Dreieinigkeit lehrt keine drei Götter. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ein einziges, unteilbares göttliches Wesen – das Bekenntnis zum einen Gott bleibt unangetastet.

Modalismus

„Ein Gott in drei Rollen“

Gott wechselt nicht nacheinander die Masken – mal Vater, mal Sohn, mal Geist. Bei der Taufe Jesu handeln alle drei Personen gleichzeitig und unterscheidbar.

Arianismus

„Der Sohn ist ein Geschöpf“

Wäre der Sohn geschaffen, könnte er nicht erlösen. Nicäa antwortet 325: „gezeugt, nicht geschaffen“ – der Sohn ist ewig und wesensgleich mit dem Vater.

Quellen

Worauf sich diese Seite stützt

Jede Aussage dieser Seite geht auf die Bibel und die klassischen Bekenntnistexte der Kirche zurück. Die wichtigsten Primärquellen im Überblick:

Die Heilige Schrift

Biblische Belegstellen

Alle auf dieser Seite zitierten Stellen: Matthäus 28,19; Matthäus 3,16–17; Johannes 1,1.14; Johannes 14,16–17.26; 2. Korinther 13,13; 5. Mose 6,4. Bibelstellen in unseren Artikeln lassen sich per Klick direkt im Wortlaut nachlesen (Luther 1912).

Alle Belegstellen im Überblick

Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis

Konzile von Nicäa (325) und Konstantinopel (381)

Das gemeinsame Bekenntnis der Ost- und Westkirche – Quelle der Formeln „Gott von Gott, Licht vom Licht“ und „gezeugt, nicht geschaffen“. Wir dokumentieren den vollständigen deutschen Wortlaut.

Vollständiger Wortlaut auf unserer Seite Über uns

Athanasianisches Glaubensbekenntnis (Quicumque)

Westkirche, um 500

Die klassische westliche Zusammenfassung der Trinitätslehre – aus ihm stammt die Inschrift am Anfang dieser Seite: „Wir verehren den einen Gott in der Dreieinigkeit …“

Tertullian, Adversus Praxean

um 213

Die früheste erhaltene Verwendung des Begriffs trinitas und der Formel una substantia, tres personae – Grundlage unserer Begriffsklärung und der Konzilsgeschichte oben.

Konzil von Chalcedon, Glaubensdefinition

451

Quelle der Formel „unvermischt und ungetrennt“ über die zwei Naturen Christi, die in der Zeittafel oben zitiert wird.

Visuelle Lernhilfen

Infografiken

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Verständnisfragen

Häufige Fragen zur Dreieinigkeit

Was bedeutet Dreieinigkeit einfach erklärt?+

Dreieinigkeit bedeutet: Der eine Gott existiert ewig in drei Personen – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Nicht drei Götter, nicht drei Erscheinungsformen eines Gottes, sondern ein göttliches Wesen in drei Personen, die einander kennen, lieben und gemeinsam handeln.

Mehr dazu: Was ist die Lehre von der Trinität?

Wo steht das Wort Dreieinigkeit in der Bibel?+

Das Wort selbst steht nicht in der Bibel. Es ist ein theologischer Begriff, der im 2. Jahrhundert geprägt wurde, um die biblischen Befunde systematisch zusammenzufassen – vom Taufbefehl (Mt 28,19) über die Taufe Jesu bis zum apostolischen Segen (2 Kor 13,13).

Mehr dazu: Die Trinität in der Bibel – alle Belegstellen

Was ist der Unterschied zwischen Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit und Trinität?+

In der Sache keiner – alle drei Begriffe bezeichnen dieselbe Lehre. „Dreieinigkeit“ betont die Einheit und ist im evangelischen Raum üblich, „Dreifaltigkeit“ ist die katholische Bezeichnung – etwa im Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten. „Trinität“ ist der Fachbegriff der Theologie, vom lateinischen trinitas, das der Kirchenvater Tertullian um das Jahr 200 prägte.

Ist die Trinität logisch widersprüchlich?+

Nein. Ein Widerspruch läge vor, wenn die Lehre behauptete, Gott sei ein Gott und zugleich drei Götter – oder eine Person und zugleich drei Personen. Sie sagt aber etwas anderes: Ein göttliches Wesen (die Frage nach dem „Was“) existiert in drei Personen (die Frage nach dem „Wer“). „Eins“ und „drei“ beziehen sich auf verschiedene Ebenen – so wie ein einziges Unternehmen drei Gesellschafter haben kann, ohne dass die Aussage widersprüchlich wäre. Das Geheimnis bleibt groß, aber es ist kein Rechenfehler.

Ist Jesus Gott?+

Ja – das ist der Kern des christlichen Bekenntnisses. Johannes eröffnet sein Evangelium mit „das Wort war Gott“ (Johannes 1,1), Thomas bekennt vor dem Auferstandenen „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28), und das Konzil von Nicäa fasst 325 zusammen: wesensgleich mit dem Vater, „gezeugt, nicht geschaffen“. Zugleich ist Jesus vollständig Mensch – geboren, hungrig, müde, gestorben am Kreuz.

Mehr dazu: Ist Jesus Gott? – die Belege im Einzelnen

Ist der Heilige Geist eine Person oder nur eine Kraft?+

Eine Person. Die Bibel schreibt ihm zu, was nur Personen tun: Er lehrt und erinnert (Johannes 14,26), er spricht (Apostelgeschichte 13,2), man kann ihn belügen (Apostelgeschichte 5,3–4) und betrüben (Epheser 4,30). Eine unpersönliche Kraft – wie Strom oder Schwerkraft – kann man weder belügen noch betrüben.

Mehr dazu: Wer ist der Heilige Geist?

Warum hinken Vergleiche wie Wasser oder die Sonne?+

Wasser (Eis, Dampf, Flüssigkeit) rutscht in den Irrtum des Modalismus ab (Gott agiert nur nacheinander in Modi). Gott existiert aber gleichzeitig in drei Personen.

Mehr dazu: Können wir die Dreieinigkeit erklären?

Glauben alle Christen an die Dreieinigkeit?+

Alle großen Kirchen – katholisch, orthodox, evangelisch und freikirchlich – bekennen sie in den Glaubensbekenntnissen von Nicäa und Konstantinopel. Gemeinschaften, die sie ablehnen (etwa Zeugen Jehovas oder Mormonen), stehen damit außerhalb des historischen christlichen Bekenntnisses.

Mehr dazu: Warum Mormonismus und Christentum nicht dasselbe sind

Wie erkläre ich Kindern die Dreieinigkeit?+

Am besten nicht über physikalische Bilder, die schnell in Irrtümer kippen, sondern über Beziehung: Der Vater liebt den Sohn, der Sohn tut, was der Vater will, der Geist verbindet uns mit beiden – und alle drei sind der eine Gott.

Mehr dazu: Wie erkläre ich meinem Kind die Dreieinigkeit?

Vertiefen Sie Ihr Verständnis des dreieinigen Gottes

Von den biblischen Grundlagen bis zu den großen Konzilien der Kirchengeschichte – entdecken Sie das zentrale Bekenntnis des christlichen Glaubens. Zum Einstieg empfehlen wir den Grundlagenartikel Was ist die Lehre von der Trinität?