„Wie sieht deine Altersvorsorge aus?“ – „Was ist dein Fünf-Jahres-Plan?“ – „Wir fahren diesen Sommer in den Urlaub.“ – „Alle arbeiten für das Wochenende …“
Diese Sätze begegnen uns täglich – im Gespräch mit Kollegen, Freunden, Familie. Und wir nehmen sie hin, ohne sie zu hinterfragen.
Doch wenn ich sowohl das Wort Gottes als auch das Denken großer christlicher Theologen der Geschichte bedenke, geben sie mir zu denken. C.S. Lewis schaute skeptisch auf seine Gesellschaft, die ihr „ganzes Leben“ auf Geldverleih gegen Zinsen aufbaute – eine Praxis, die viele antike Kulturen verachteten (Mere Christianity, 85). Ähnlich unruhig wird mir ums Herz, wenn ich merke, wie sehr ich mein eigenes Leben auf eine Zukunft ausrichte, die nicht ewig ist. Ob es um Rentenpläne geht, Fünf-Jahres-Ziele oder einfach nur den nächsten Moment, von dem wir uns Erfüllung erhoffen – Schrift und Theologiegeschichte nennen diese Ausrichtung Torheit.
Unsere nicht-ewige Zukunft
Beginnen wir mit Lewis selbst. In The Screwtape Letters lässt er einen menschenversuchenden Dämon schreiben:
Die Menschen leben in der Zeit, aber unser Feind hat sie für die Ewigkeit bestimmt. Er will daher, so glaube ich, dass sie vor allem auf zwei Dinge achten: auf die Ewigkeit selbst und auf jenen Punkt der Zeit, den sie die Gegenwart nennen. Denn die Gegenwart ist der Punkt, an dem die Zeit die Ewigkeit berührt. … Unser Geschäft ist es, sie vom Ewigen und von der Gegenwart fernzuhalten. … Es ist weitaus besser, sie in der Zukunft leben zu lassen. (75–76)
Martin Luther soll es vier Jahrhunderte früher noch knapper formuliert haben: „In meinem Kalender gibt es nur zwei Tage: heute und jenen Tag.“
Die Schrift ist jedoch noch direkter, wenn es darum geht, wie wir uns zur nicht-ewigen Zukunft verhalten. Jakobus nennt die Gewissheit über das Morgen anmaßend und böse:
Wohlan, ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in diese oder jene Stadt reisen und wollen dort ein Jahr zubringen und Handel treiben und Gewinn machen – ihr wisst aber nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Dampf seid ihr, der eine kleine Zeit sichtbar ist, danach aber verschwindet. Stattdessen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun. Nun aber rühmt ihr euch in eurem Hochmut; alles solche Rühmen ist böse. ()
Jesus nennt diejenigen Toren, die selbstgefällig für die irdische Zukunft horten, statt für den Himmel:
Er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter, und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? ()
Und natürlich sagt uns unser Herr in immer wieder, dass wir uns nicht um den morgigen Tag sorgen sollen – nicht darum, was wir essen, trinken oder anziehen werden – nicht mehr als die Lilien es tun.
Neben Lewis und Luther werden die schriftgemäßen Aufrufe, in der Gegenwart zu leben, begleitet von ebenso klaren Mahnungen, den Blick auf die Herrlichkeit zu richten, die uns nach dem Tod erwartet. Petrus ruft uns auf, unsere Hoffnung vollständig auf die Gnade zu setzen, die uns bei der Offenbarung Jesu Christi gebracht wird (). Der Verfasser des Hebräerbriefs macht deutlich, dass wir als Fremde auf Erden eine himmlische Stadt suchen (). Und das sind nur zwei von Dutzenden Aufforderungen, unseren Blick auf die Ewigkeit zu richten.
Gegenwart und Ewigkeit zusammenhalten
Damit stehen wir vor zwei wesentlichen Herausforderungen. Erstens müssen wir lernen, wie Gegenwart und Ewigkeit mehr Raum in unserem Denken, Fühlen und Reden einnehmen können. Zweitens müssen wir lernen, welchen richtigen Platz die nicht-ewige Zukunft in unserem Denken und unseren Gesprächen hat.
Werden wir also konkret. Wie bleiben wir im Moment und halten gleichzeitig die Ewigkeit täglich vor Augen?
1. Verlasse dich nicht auf das Morgen.
sagt uns, wir sollen unsere Tage zählen, um ein weises Herz zu gewinnen. Doch unser Denken kreist meist um die Lebenserwartung von siebzig oder achtzig Jahren, die früher im Psalm erwähnt wird (). Selbst wenn ich ernsthaft über meine eigene Vergänglichkeit nachdenke, stelle ich mir vor, wie ich irgendwann in meinen Achtzigern sterbe. Aber sollte das Zählen meiner Tage nicht auch einschließen, dass morgen absolut nicht garantiert ist? Sollte das berühmte „Was, wenn ich morgen von einem Bus erfasst werde?“ nicht wirklich ernst genommen werden? Weise Menschen hängen an jeden Plan – besonders an Pläne jenseits des heutigen Tages – ein „so der Herr will“ an, und sie meinen es so.
2. Zähle deine Segnungen – wirklich.
Ja, das klingt wie ein Hashtag oder ein Schlager. Aber es ist ein wirkungsvoller Weg, in der Gegenwart zu bleiben und die Gegenwart Gottes wahrzunehmen. Ich habe viele Feste mit meinem leitenden Pastor verbracht, einem ziemlich rastlosen Siebzigjährigen. Doch Jahr für Jahr beobachte ich, wie er seine Energie im Zaum hält, sich inmitten eines lebhaften Mahls voller langjähriger Freunde, Kinder und Enkel zurücklehnt und den Moment einfach mit einem dankbaren Lächeln aufsaugt. Das ist keine Praxis nur für Feiertage. Wer ängstlich in die Zukunft plant, vergisst sie ganz und gar. Wer möchte, kann das Tagebuch herausziehen und aufschreiben, wofür er dankbar ist.
3. Leg dein Handy weg.
Dafür genügt ein Blick in dreißig Prozent aller christlichen Bücher der letzten zehn Jahre.
4. Plane dein Planen.
Natürlich hat Planen für die Tage nach heute seinen Sinn und seine Notwendigkeit. Bauern denken an den kommenden Winter. Termine müssen aus Rücksicht auf andere im Voraus vereinbart werden. Schlechte Ehemänner überlegen sich Hochzeitstag und Geburtstag erst am Tag selbst (Asche auf mein Haupt). Aber die meisten von uns stecken in einem hartnäckigen Muster fest: Wir denken an morgen und verpassen die Kostbarkeit des Heute. Während einige spontane Zukunftspläne täglich nötig sind, lohnt es sich, den Großteil des Terminplanens auf eine feste Zeit im Tagesablauf zu verlegen – gemeinsam mit dem Ehepartner, wenn man verheiratet ist. Ich bin es leid, dass Sonnenuntergänge, Filme und Spiele mit meinen Kindern von aufdringlichen Gedanken an Autowerkstatt-Termine oder zu buchende Flüge unterbrochen werden.
5. Lass ängstliche Gedanken sterben.
Zukunftsdenken ist komplex, und hier soll kein abschließendes Wort über klinische Angststörungen gesprochen werden. Aber ist klar genug: Wir sollen uns nicht um den morgigen Tag sorgen. Es ist eine Sache – und weise –, einen Plan zu machen. Eine ganz andere ist es, ängstlich über die unsichere Umsetzung oder den ungewissen Ausgang zu grübeln. Regelmäßige Arzttermine wahrzunehmen ist gute Haushalterschaft; sich über mögliche Befunde zu ängstigen ist hingegen eine „respektable“ Sünde. Wenn du dich dabei ertappst, in hypothetischen Katastrophenszenarien zu versinken, nenn das nicht einfach deine Art. Tu Buße für deine Furcht vor dem Gott, der deine Bedürfnisse kennt.
6. Lass die Hoffnung nicht verkümmern.
Natürlich dürfen wir die unmittelbare Zukunft in gewissem Maß freudig erwarten. Es wäre traurig, einem Freund aus der Ferne, der zu Besuch kommt, gegenüber völlig teilnahmslos zu bleiben und nie eine Nachricht wie „Ich freu mich so!“ zu schicken. Aber die Vorfreude auf diesen Besuch oder den nächsten Urlaub ist nur ein schwacher Abglanz der vollkommen gesicherten neuen Erde, die an jenem Tag kommt. Wenn du dich schon auf ersteres freuen sollst, wie viel mehr dann auf letzteres – wenn die wahre Ruhe kommt (). Hüte dich davor, deine Hoffnung auf die Ewigkeit zu beschneiden.
Genieße das Wesentliche
Wir neigen von Natur aus dazu, in der Zukunft zu leben. Neulich aß ich mit ein paar entfernteren Verwandten zusammen, und einer rief aus: „Ich freue mich so, dass du Weihnachten bei uns bist! Dann können wir schon planen, was wir nächsten Sommer unternehmen!“ Wir lachten schließlich über die Absurdität dieser Aussage – aber eigentlich war sie ein ungefiltertes Beispiel dafür, wie schwer es uns fällt, im Augenblick zu bleiben. Das unbefriedigende „Nächste“ hält uns gleichzeitig davon ab, die Substanz des gegenwärtigen Moments zu erleben, und davon, unsere Hoffnung dorthin zu setzen, wo wirkliche Erfüllung liegt.
Natürlich ist das alles nicht einfach. Wer schlecht plant, ist oft rücksichtslos – das weiß ich aus jahrelanger eigener Erfahrung. Gemeinden und Ehen erfordern sorgfältige Vorausschau, oft Monate im Voraus. Aber die Schrift macht deutlich: Wir haben etwas kostbar Wesentliches verloren, indem wir uns auf das Ungewisse konzentrieren. Die Weisen lernen, bei dem zu verweilen, was wirklich uns gehört – im Jetzt ebenso wie im neuen Leben, das kommen wird.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.