Lehre über die Erlösung

Was ist ein Christ? – Jemand, der dazugehört.

Caleb Davis6 Min. LesezeitQuelle: The Gospel Coalition

Meine Kinder waren nicht wie ich aber sie gehören zu mir. Als meine Frau und ich unsere Kinder adoptierten, sprachen sie nicht unsere Sprache. Sie kannten unsere Gewohnheiten nicht und lebten nicht so, wie wir lebten. Doch sie gehörten zu uns. Mit Freude gaben wir ihnen unseren Familiennamen. Ich wurde ihr Vater. Von diesem Moment an waren sie sowohl rechtlich als auch in ihrer Beziehung zu uns Teil unserer Familie.

Die ersten Jahre waren für uns alle herausfordernd. Doch immer wieder kehrten wir zu einem grundlegenden Gedanken zurück. Wir sagten ihnen: „Egal, was vorher war. Egal, was ihr tut. Ihr gehört zu uns, und wir gehören zu euch.“

Zu genau diesem Fundament müssen auch wir als Christen immer wieder zurückkehren. Unter vielen unserer Kämpfe liegt dieselbe Ursache: Wir vergessen, dass unsere Identität als Christen nicht daraus entsteht, Christus möglichst gut nachzuahmen, sondern daraus, dass wir zu ihm gehören.

Was ist ein “Christ”?

Viele haben schon gehört, dass das Wort „Christ“ „kleiner Christus“ bedeute. Oft wird auch die Bezeichnung „Nachfolger Christi“ bevorzugt. Dahinter steht der Gedanke, dass ein Christ versuchen soll, zu sein wie Jesus.

Tatsächlich beschreibt das Wort „Christ“ jemand, der zu Christus gehört. Der Neutestamentler John B. Polhill erklärt: „Der griechische Begriff lautet Christianos. Es handelt sich um eine Mischform, die aus dem griechischen Wort für den Messias (Christos, ‚der Gesalbte‘) und der lateinischen Endung ianus gebildet wird, die ‚zu jemandem gehörend‘ bedeutet.“

Auch über die Wortbedeutung hinaus zeigt das Neue Testament deutlich, wie christliche Identität verstanden wird. Die häufigsten Bezeichnungen für Christen stammen aus dem Familienbereich: Bruder, Schwester und Kinder. Danach folgt besonders oft das Wort Heilige, welches für  Menschen verwendet wird, die für Gott ausgesondert sind. Alle diese Bezeichnungen weisen in erster Linie nicht auf unsere Nachahmung Christi hin, sondern auf unsere Zugehörigkeit zu ihm.

Das ist kein nebensächlicher Unterschied. Im folgenden möchte ich drei Arten betrachten, wie die Wahrheit, dass wir zu Christus gehören, uns stärkt.

1. Fröhliche Gemeinschaft

Ich kann historische Persönlichkeiten wie Abraham Lincoln oder Charles Spurgeon bewundern und mir an ihrem Leben ein Beispiel nehmen. Aber ich kann keine Gemeinschaft mit ihnen haben, denn sie sind tot.

Wenn wir Jesus auf dieselbe Weise behandeln, als wäre er nur eine Persönlichkeit, die wir bewundern und nachahmen sollen, wird unser Glaube früher oder später austrocknen. Doch Christsein bedeutet nicht nur, wie Jesus zu werden. Es bedeutet, mit ihm zu leben.

Wir studieren nicht nur seine Lehre und richten unser Leben nach seinem Vorbild aus. Wir leben schon jetzt in einer lebendigen, beständigen und persönlichen Gemeinschaft mit Gott.

Wir sprechen zu Gott, und er hört uns (). Er spricht zu uns durch sein Wort (). Er ermutigt uns fortwährend (). Er schenkt Freude () und Hoffnung (). In unseren Schwierigkeiten tröstet er uns (), trägt unsere Lasten () und bleibt bei uns, selbst wenn andere uns verlassen (). Wenn wir nicht weiterwissen, schenkt er Weisheit (). Wenn wir voller Sorge sind, gibt er Frieden (). Zu jeder Zeit der Not schenkt er Barmherzigkeit und Hilfe (). Er führt uns in die Wahrheit (), versorgt uns mit allem, was wir brauchen (), und befähigt jeden von uns durch den Heiligen Geist zum Dienst ().

Weil du zu Christus gehörst, darfst du jeden Tag in freudiger Gemeinschaft mit Gott leben

2. Tiefere Ruhe

Gib mir nur eine Minute, und ich könnte ganze Seiten mit Dingen füllen, über die ich mir Sorgen machen könnte: die Gemeinde, die Kinder, persönliches Versagen, Geld, das Älterwerden und nicht zuletzt über mich selbst. Ich weiß, dass ich Jesus ähnlicher werden muss. Das stimmt. Und ich bemühe mich darum. Doch bloße Nachahmung schenkt keine wirkliche Ruhe.

Trost finden wir vielmehr darin, dass wir zu Christus gehören. Die erste Frage des Heidelberger Katechismus lautet: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Die Antwort beginnt mit den bekannten Worten: „Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.“

Die Errettung ist etwas Wunderschönes. Wie ein Feuerwehrmann, der unter Einsatz seines eigenen Lebens in ein brennendes Gebäude läuft, ist Jesus in das Feuer des Gerichts hineingegangen, um uns vor dem ewigen Tod zu retten. Auch die Rechtfertigung ist ein wunderbares Geschenk. Im Gerichtssaal Gottes sind wir nicht nur freigesprochen, sondern aufgrund des vollkommenen Werkes und der Gerechtigkeit Jesu selbst als gerecht erklärt worden.

Doch die Wahrheit, die mein Herz am häufigsten aufrichtet, wenn ich entmutigt bin, die mir Frieden schenkt, wenn ich auf Gottes Handeln warten muss, und die mir Mut gibt, den nächsten Schritt im Glauben zu gehen, ist diese: Ich bin adoptiert. Gott hat mich nicht nur aus dem Feuer gerettet, er hat mich in seine Familie aufgenommen. Er hat nicht nur das Urteil „freigesprochen“ über mich ausgesprochen, er hat mir seinen Namen gegeben. Ich gehöre ihm.

Welche Angst dich auch beschäftigt, welche Last dich auch niederdrückt, bring sie vor Gott und erinnere dich dann an diese Wahrheit: „Ich gehöre ihm. Mit Leib und Seele. Im Leben und im Sterben.“

3. Befähigter Gehorsam

Losgelöst von der Wahrheit, dass wir zu Christus gehören, führt Gehorsam oft zu Verbitterung. Wir tun uns schwer zu gehorchen, weil wir versuchen, zwei gegensätzliche Wünsche gleichzeitig festzuhalten: Wir möchten Jesus ähnlicher werden, aber wir möchten zugleich unsere Unabhängigkeit bewahren. Wenn ich mich lediglich als Nachfolger Jesu verstehe, bleibt unterschwellig der Gedanke bestehen, dass ich selbst entscheiden kann, wie konsequent ich ihm folgen möchte.

Doch zu Christus zu gehören bedeutet, sich ihm ganz hinzugeben. Paulus schreibt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt. Und nun lebe nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir.“ () An anderer Stelle sagt er unmissverständlich: „Ihr gehört nicht euch selbst; denn ihr seid um einen Preis erkauft worden.“ ()

C. S. Lewis schreibt:

Christus sagt: „Gib mir alles. Ich möchte nicht nur einen Teil deiner Zeit, deines Geldes oder deiner Arbeit. Ich möchte dich. Ich bin nicht gekommen, um dein altes Ich ein wenig zu verbessern, sondern um es sterben zu lassen. Übergib mir dein ganzes natürliches Selbst, sowohl die Wünsche, die du für gut hältst, als auch die, die du für böse hältst. Übergib mir alles. Ich werde dir dafür ein neues Selbst geben. Ja, ich werde dir mich selbst geben. Mein Wille soll dein Wille werden.“

Möchtest du die Kraft haben, in den Bereichen gehorsam zu werden, in denen du immer wieder fällst? Dann höre auf, Jesus folgen zu wollen und gleichzeitig an deinen eigenen Rechten festzuhalten. Du gehörst ihm und er ist gut. Gerade weil wir Christus gehören, werden wir wirklich frei, indem wir zu Knechten Gottes werden ().

Ein starker Glaube wächst auf einem starken Fundament. Das bedeutet nicht, dass Prüfungen oder Versuchungen verschwinden werden. Aber höre immer wieder auf Gottes Stimme, die dir zuspricht: „Egal, was vorher war. Egal, was du getan hast. Du gehörst zu mir.“Christ, du gehörst ihm und er gehört dir.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.

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Caleb Davis ist der Hauptpastor der "True Life Church" in Arvada, Colorado.

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