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Gott legt uns verlorene Menschen in den Weg. Nicht um sie zu verhöhnen. Nicht um sie zu meiden. Sondern damit wir die Liebe Christi mit ihnen teilen. Aber was geschieht, wenn ich die Nachricht nicht schreibe, von der ich weiß, dass ich sie an meinen ungläubigen Freund schreiben sollte? Was, wenn ich den Anruf nicht tätige, den ich meinem Nachbarn schulde, der das Evangelium noch nicht kennt? Was, wenn ich aufhöre, für meine Familie und Nachbarn zu beten, die Christus brauchen? Wenn ich als Calvinist all das unterlasse, spielt es am Ende wirklich eine Rolle? Das ist das Thema der heutigen Folge von Ask Pastor John: Kann mein Schweigen Seelen die Ewigkeit kosten?
Die heutige Frage stellt ein angehender Missionar, der zwei biblische Wahrheiten in Spannung zueinander sieht. Erstens sagt Paulus, dass Gott uns „errettet und berufen hat mit einem heiligen Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und nach der Gnade, die uns in Christus Jesus gegeben ist vor der Zeit der Welt.“ Das ist , ein wunderbares Bild von Erwählung und Prädestination hinter unserer persönlichen Berufung. Aber wenn das so ist, fragt er sich: Warum war Paulus‘ Leiden dann so notwendig? Nur ein Kapitel später schreibt Paulus: „Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Errettung erlangen, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit.“ Das ist . Wenn Gottes heiliges Volk die ewige Errettung erlangen wird, warum muss Paulus dann leiden, um dieses Ziel zu erreichen? Ganz persönlich fragt er: „Hängt die Ewigkeit eines Menschen wirklich davon ab, ob ich als Bote bereit bin zu leiden?“
Das beschlossene Zeugnis
In dieser einen Frage stecken, zumindest wie ich sie höre, zwei wirklich gute Fragen. Eine ist ziemlich verbreitet, die andere weniger.
Die verbreitete Frage lautet: „Wenn Gott von Ewigkeit her beschlossen hat, was geschehen wird, macht mein Einsatz in der Gegenwart dann überhaupt einen Unterschied? Hängt die ewige Bestimmung eines Menschen wirklich davon ab, ob ich bereit bin, als Bote aufzutreten?“ Das ist die erste Frage.
Die weniger häufige Frage lautet: „Wenn Gott alles von Ewigkeit her beschlossen hat, und mein Leben tatsächlich einen Unterschied macht, und Dinge durch meinen Einsatz geschehen oder ausbleiben, warum hat Gott es so eingerichtet?“ Das ist die Warum-Frage.
„Gott hat die Welt so eingerichtet, dass wir Menschen die Last der tatsächlichen Ursache tragen.“
Die Antwort auf die erste Frage lautet meiner Meinung nach: Ja, dein Leben, dein Einsatz, dein Gebet und dein Zeugnis machen einen Unterschied. Einen gewaltigen Unterschied für das, was in der Welt geschieht. Und ja: Es wird Menschen geben, die nicht gerettet werden, weil manche Christen ihnen das Evangelium nicht weitergegeben haben. Ich weiß, das klingt für manche Calvinisten widersprüchlich und ich bin selbst einer. Und ich sage es im vollen Glauben daran, dass die Bibel lehrt, Gott plane und prädestiniere alle Dinge, bevor sie geschehen. Das glaube ich.
In heißt es, dass Namen „von Grundlegung der Welt an“ im Lebensbuch des geschlachteten Lammes stehen. Manche Namen stehen also von Ewigkeit her darin, andere nicht. Das sind diejenigen, deren Widerstand Gott zu überwinden und zu sich zu bringen beschlossen hat. Die Namen im Buch sind Gottes Auserwählte. Von ihnen spricht Lukas in , wenn er schreibt: „So viele zum ewigen Leben bestimmt waren, kamen zum Glauben.“ Gott hat sie bestimmt, darum glaubten sie. Diese Auserwählten meint Paulus in : „Er hat uns auserwählt in ihm vor der Grundlegung der Welt.“ Und wenige Verse später, in , heißt es, diese Auserwählten seien „vorherbestimmt nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens“ — alles. Es ist eine treue, biblische Lehre, dass Gott alle Dinge regiert und von Ewigkeit her entscheidet, wessen Widerstand er überwinden und wen er retten will.
Und es ist ebenso biblisch zu sagen, dass Gott menschliche Mittel und Werkzeuge benutzt, um diese ewigen Zwecke zu verwirklichen. Jesus sagt zu Paulus: „Ich sende dich, ihnen die Augen aufzutun, damit sie sich von der Finsternis zum Licht bekehren“ (). Tu das, Paulus. Du bist mein Werkzeug. Bring das zustande. Ich gebe dir die Kraft. Paulus sagt: „Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Errettung erlangen“ ().
Werkzeuge der Errettung
Paulus ist das Mittel zur Errettung der Auserwählten, die vor der Grundlegung der Welt zur Errettung bestimmt wurden. In sagt er: „Mein Herzensbegehren und mein Gebet zu Gott für sie geht dahin, dass sie gerettet werden.“ Er schreibt, dass er seinen Dienst als Apostel der Heiden verherrlicht, um seine jüdischen Landsleute zur Eifersucht zu reizen — auf dass er vielleicht einige von ihnen rette (). Er ist ein echtes Werkzeug, durch Gebet und Zeugnis, für die Errettung seiner Verwandten. sagt: „Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.“ Und als Paulus die Ältesten in anspricht, sagt er: „Ich bin rein vom Blut aller, denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.“ Hätte er ihnen nicht die Wahrheit gesagt, wäre ihr Blut an seinen Händen gewesen, das ist die Aussage dahinter (vgl. ; 33:6, 8).
„Jesus Christus, gekreuzigt und auferstanden, ist die schönste Offenbarung von Gottes Gnade, die es je gab oder geben wird.“
Aus diesen und vielen ähnlichen Texten lernen wir: Gott hat die Welt so eingerichtet, dass wir Menschen die Last tatsächlicher Ursachen tragen. Wir sind Ursachen in der Welt. Wir bewirken Dinge unter Gottes Vorsehung. Unser Handeln lässt Dinge geschehen. Unser Nicht-Handeln lässt Dinge ausbleiben. Deshalb ist es nicht richtig zu sagen: „Wegen der Prädestination wird mein Versagen niemanden an der Errettung hindern.“ Das wissen wir nicht. Wir können nicht in Gottes Buch der Beschlüsse und Pläne hineinsehen.
Was uns gesagt wird, ist: Wir sollen für verlorene Menschen beten, das Evangelium verkündigen und ihnen Gutes tun, denn so werden sie gerettet. Und es heißt: „Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet“ (vgl. ). Gebet macht einen Unterschied. Und wir werden schuldfrei sein an ihrem Blut, wenn wir ihnen die Wahrheit sagen.
Unser Fragesteller fragt also: „Hängt die Ewigkeit eines Menschen wirklich davon ab, ob ich als Bote bereit bin zu leiden?“ Meine Antwort ist: Ja. Wir wissen nicht, bei wem und wann das der Fall ist aber dass es der Fall sein kann, das lehrt die Bibel. Das ist ernüchternd. Ich hoffe, er nimmt es sich zu Herzen. Und wenn Gott ihn ruft, wird er folgen, womit wir zur zweiten Frage kommen.
Offenbarungen der Gnade
Warum also hat Gott es so eingerichtet? Das fragt er. Wenn das Ziel von einem souveränen Gott in der Ewigkeit beschlossen wurde, warum braucht es dann Paulus‘ Leiden jetzt, um die Auserwählten dorthin zu bringen? Das ist seine Warum-Frage.
So würde ich versuchen, eine Frage zu beantworten, die zum Teil, das müssen wir zugeben, im Verborgenen von Gottes Gedanken liegt. Gott lässt uns nur durch ein dunkles Glas schauen und nicht das ganze Bild erkennen (). Aber ich glaube, zumindest ein Teil des Bildes ist sichtbar.
Paulus sagt in , dass das Ziel von Gottes Erwählung, Gottes ewigem Beschluss, sich vor der Grundlegung der Welt ein Volk zu erwählen, „das Lob seiner herrlichen Gnade“ ist. Was für ein wichtiger Ausdruck. Mit anderen Worten: Gott hat die Welt erschaffen und regiert sie so, dass die Echtheit und Tiefe unseres Lobes für die Schönheit seiner Gnade möglichst groß wird.
Wie zeigt sich diese Gnade nun in der Welt und am Ende der Welt, so dass sie mit größtmöglicher Echtheit und Tiefe gepriesen werden kann? Die Mitte der Antwort ist natürlich Jesus Christus, gekreuzigt und auferstanden, das ist die schönste Offenbarung von Gottes Gnade, die es je gab oder geben wird. Aber das ist nicht der einzige Ort, an dem Gottes Gnade in der Welt sichtbar wird, damit wir sie bestaunen und preisen.
Sie zeigt sich auch im demütigen, freudigen Dienst von Gottes Knechten, die als Haushalter seiner Gnade bezeichnet werden, wenn sie leiden, um ihn bekannt zu machen (). Das ist etwas Schönes. Das ist ein schöner Erweis der Gnade. Mit anderen Worten: Wenn Gott plant, dass Menschen die Werkzeuge werden, durch die er seine ewigen Zwecke verwirklicht, dann plant er auch, dass eben dieses Handeln selbst ein schöner Erweis der Gnade Gottes ist.
Für Missionare gilt zum Beispiel: Das Mittel, durch das Gott sein letztes Ziel verfolgt, nämlich das Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, ist selbst ein Vorschein dieses letzten Ziels, der in diese Welt hereinbricht. Das ist etwas Wunderbares. Gnade leuchtet als schön auf, wenn ein Mensch sein Leben für einen anderen hingibt im Dienst der Mission (). Christen dürfen also nicht nur als echte Ursachen dazu beitragen, Gottes ewige Zwecke zu verwirklichen, sie dürfen auch selbst als Offenbarungen der Schönheit von Gottes Gnade in ihrem opferbereiten Dienst sichtbar werden. Und so werden sie zum Vorgeschmack der Schönheit der Gnade Gottes.
In einem Satz: Paulus‘ Leiden als Mittel zur Errettung der Auserwählten ist erforderlich, weil dieses Leiden für Christus selbst ein schöner Erweis der Gnade ist, zu deren Lob wir gerettet werden.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.
