Jethro kritisierte Mose. Samuel konfrontierte Sauls Ungehorsam. Paulus widerstand Petrus, als dieser sich von den heidnischen Gläubigen trennte. Jesus tadelte die Pharisäer.
Viele der treuesten Gestalten der Bibel waren Kritiker. Doch einen guten Kritiker, der sich als Christ versteht, findet man heute kaum noch. Meistens spielt sich Kritik im Internet ab und selbst unter Gläubigen ist der Ton häufig hässlich.
Wir sollten Kritiker sein aber ausdrücklich christliche Kritiker. Hier sind drei Prinzipien dafür, wie man kritisiert wie ein Christ.
1. Kritisiere, um aufzubauen, nicht um zu zerstören.
Paulus schreibt den Korinthern: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle“ (). Unser Ziel sollte es sein, dass jeder Bereich unseres Lebens von Liebe geprägt ist. Das gilt auch für die Art, wie wir Kritik üben.
Bevor du den Mund aufmachst, frag dich: Möchte ich wirklich, dass diese Person nach meinen Worten besser, klarer und christusähnlicher dasteht? Wenn Liebe bedeutet, das Beste für andere zu wollen, liebe ich diese Person dann mit meiner Kritik?
Wenn Liebe bedeutet, das Beste für andere zu wollen, liebe ich diese Person dann mit meiner Kritik?
Eine liebevolle Kritik muss keine zahnlose Kritik sein. Früher im Theologiestudium leitete ich eine Rechenschaftsgruppe für Männer, die mit Pornografie kämpften. Regelmäßig konfrontierte eines der reiferen Mitglieder einen anderen direkt wegen der törichten Gewohnheiten, die ihn in die Sünde geführt hatten. Diese Kritiken waren scharf aber sie kamen aus einem echten, liebevollen Wunsch heraus, einen Bruder in Integrität wandeln zu sehen.
Christen können mutig, klar und entschieden kritisieren. Doch unser letztes Ziel muss immer sein, einander in Liebe aufzubauen.
2. Baue starke Argumente auf, keine Strohpuppen.
Der Strohmann ist eine alte Debattentaktik: Man stellt das Argument des anderen absichtlich verzerrt dar, damit man es leicht widerlegen kann.
Christen sollten keine Strohpuppen bauen.
Stattdessen gilt es, das Argument des anderen in seiner stärksten Form zu rekonstruieren. Verstehe, worauf die andere Person wirklich hinauswill. Greife keine Nebenpunkte an. Kritisiere nicht ihre Grammatik. Greife nicht ihren Charakter an. Geh nicht den bequemen Weg. Höre wohlwollend auf die stärkste Version ihres Arguments und übe dann Kritik.
Mein Co-Geschäftsführer John-Michael ist ausgezeichnet darin, Argumente in ihrer stärksten Form nachzubauen. Einmal stritten wir über eine neue Podcast-Idee, die wir umsetzen wollten, und hatten grundlegend unterschiedliche Vorstellungen vom Projekt. Nach einer Stunde ohne Ergebnis hielt er inne und sagte: „OK, lass mich ein paar Minuten Zeit nehmen und versuchen, deinen Standpunkt darzulegen. Sag mir, ob ich dich richtig verstanden habe.“
John-Michael gab mein Argument dann in seiner stärksten Form wieder. Er legte meine Vision präzise und fair dar. Er war immer noch anderer Meinung aber er hatte sich die Mühe gemacht, meinen Standpunkt angemessen zu vertreten, und ich fühlte mich dadurch wertgeschätzt.
Letztlich ist das Bauen einer Strohpuppe Sünde, weil man damit falsches Zeugnis gegen andere ablegt (2 Mo 20:16). Wer dagegen das stärkste Argument des anderen rekonstruiert, handelt sowohl in Liebe als auch mit größerer inhaltlicher Substanz.
3. Kritisiere nur, was du auch verstehst.
Vor einigen Jahren drehte ich eine Reihe von YouTube-Videos, in denen ich die politische Linke kritisierte. Ich sprach über Redefreiheit, Werbegesetze und Cancel Culture.
Heute schaue ich auf diese Videos mit Scham zurück, weil ich keine Ahnung hatte, wovon ich redete. Meine Kritiken zeigten zwar ungefähr in die richtige Richtung, aber ich machte dutzende peinliche Verallgemeinerungen, weil ich weit außerhalb meines Kompetenzbereichs sprach. Ich war ein Tor, der „keine Lust hat, etwas zu verstehen, sondern nur seine Meinung kundtun möchte“ ().
Das Bauen einer Strohpuppe ist Sünde, weil man damit falsches Zeugnis gegen andere ablegt.
In den folgenden Jahren entwickelte ich eine persönliche Regel: Ich äußere mich zu einem Thema erst dann, wenn ich mindestens ein anerkanntes Buch darüber gelesen habe.
Diese kleine Regel steht nicht in der Bibel. Ich möchte niemandes Gewissen binden. Aber ich weiß, dass mich Social Media verführt, zu nahezu jedem Thema meine Meinung zu äußern und mir bewusst zu machen, dass es töricht ist, über Dinge zu reden, die ich nicht wirklich verstehe, hat mich im Laufe der Jahre vor mancher Blamage bewahrt.
Wenn du versucht bist, andere zu den großen Fragen in Politik, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft oder Theologie zu kritisieren, ist es weise, dich selbst zu fragen: Weiß ich wirklich, wovon ich rede? Habe ich mich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt? Vielleicht hast du tatsächlich etwas Wertvolles beizutragen. Vielleicht aber solltest du den Streit auch einfach vorbeiziehen lassen. Strebe zuerst nach Verstehen, dann nach Kritik.
Es ist gut, wenn Christen Kritik üben aber es ist gefährlich, ohne Liebe zu kritisieren. gibt uns ein hilfreiches Wort mit auf den Weg, das sich zu merken lohnt: „Mancher redet unüberlegt wie Schwerterstiche, aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.“
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.