Kurz nachdem meine Frau und ich uns verlobt hatten, flogen wir meine Eltern besuchen. Wir konnten keine Plätze nebeneinander reservieren, also fragten wir einen ihrer Sitznachbarn, ob er mit mir tauschen würde. „Wir haben uns gerade verlobt“, erklärten wir. Ihre Nachbarn und die Leute in den Reihen dahinter warfen uns wissende Blicke zu. „Wir erinnern uns an diese Zeit“, sagten sie wehmütig. Und dann fügten einige hinzu: „Das hält nicht an.“ Kim und ich waren beide überrascht von dieser Negativität. Ich dachte: Mit dieser Einstellung natürlich nicht! Aber wir schwiegen. Sie hatten uns immerhin nebeneinander sitzen lassen.
Berechne die Kosten
Wann immer du kurz davor stehst, eine neue Lebensphase zu beginnen – zu heiraten, ein Unternehmen zu gründen, Kinder zu bekommen – wirst du Menschen finden, die deinen Enthusiasmus mit Vorsicht dämpfen wollen. Sie möchten sicherstellen, dass du die Kosten bedacht hast.
Etwas Ähnliches geschah, kurz bevor ich die USA zum ersten Mal für die Mission verließ: Bist du sicher, dass du diesen Weg gehen willst? Bist du bereit für die Schwierigkeiten, die auf dich warten könnten? Ihre Bedenken waren gut gemeint. Es ist töricht, eine Verpflichtung einzugehen, ohne zuvor die Kosten abgewogen zu haben.
Und seien wir ehrlich: Missionsdienst ist kostspielig. Fast alle Missionare kämpfen zeitweise mit Isolation, Distanz zu Familie und Freunden und langen Jahren des Sprach- und Kulturlernens. Viele durchleben auch schwere Phasen von Krankheit, Ablehnung oder Verfolgung. Ich habe gesehen, wie belastbare Menschen durch Tragödien zerbrochen oder durch die langsame Anhäufung von Schwierigkeiten auf dem Missionsfeld zermürbt wurden. Es ist richtig, weise und notwendig, die Kosten zu bedenken, bevor man ein Leben – oder auch nur eine kurze Saison – als Missionar auf sich nimmt.
Auf die Gnade vertrauen
Die Kosten zu bedenken bedeutet nicht, dass du erwartest, aus eigener Kraft und Fähigkeit zu dienen. Missionare sind weder selbstständig noch selbstgenügsam – sie dienen in Abhängigkeit von der besonderen Gnade, die Gott ihnen schenkt, damit sie ihre Berufung erfüllen können.
Paulus betont, dass wir nur in dem Maß dienen, wie die uns „gegebene Gnade“ es uns ermöglicht (). Paulus verwendet den Ausdruck gegebene Gnade, um speziell auf Gottes großzügige Berufung und Befähigung seines Volkes zum Dienst hinzuweisen (vgl. z. B. ; ; 4:7). Diese Gnade schließt die Kraft des Geistes ein, den Dienst zu vollbringen (vgl. ; 6:8).
Sie umfasst auch die Fähigkeit, alle Schwierigkeiten, die uns im Dienst begegnen, freudig zu ertragen. Wenn Paulus den Römern sagt, sie sollen im Einklang mit der Gnade dienen, die Gott ihnen gibt, erwähnt er das Ausüben von Barmherzigkeit in Übereinstimmung mit der „Freudigkeit“, die uns dazu geschenkt wird (). An anderer Stelle beschreibt er die „Gnade Gottes . . . gegeben“ den Gemeinden in Mazedonien, die es ihnen ermöglichte, freudig „zu der Unterstützung der Heiligen“ beizutragen, obwohl sie sich selbst „in großer Bedrängnis“ befanden (). Paulus möchte sogar, dass Menschen nur dann geben oder dienen, wenn diese Freudigkeit vorhanden ist ().
Auf die Gnade zu vertrauen, freudig zu dienen, bedeutet nicht, dass wir nie echten Schmerz bei der Erfüllung unserer Berufung erfahren werden. Sogar Paulus verzweifelte an einem Punkt an seinem Leben ()! Aber Gottes Gnade befähigte ihn, selbst in seinen schwersten Zeiten mit Freude auszuharren ().
Die Kosten zu bedenken bedeutet also nicht nur zu entscheiden, ob du Gott genug liebst, um die Schwierigkeiten des Missionsdienstes zu tragen. Es geht auch darum zu fragen, ob Gott dir die Gnade gegeben hat, trotz aller Schwierigkeiten eine freudige Hoffnung auf Gott zu bewahren. Kannst du noch „ernstlich bitten, an diesem Dienst teilzuhaben“, wenn du schwere Prüfungen der Bedrängnis erlebst (.4)?
„Welche Mühsal wir auch immer für Christus erleiden – sie ist vorübergehend. Unsere Belohnung ist für immer.“
Es gibt viele Dienste und Lebenssituationen, für die mir Gott keine Gnade gegeben hat. Diese Situationen zu verfolgen könnte mich von Gott ablenken und zur Versuchung führen (vgl. z. B. ). Hat dir Gott also Gnade für einen freudigen Missionsdienst gegeben? Diese Frage zu beantworten erfordert ehrliche Selbstreflexion und die sorgfältige Einschätzung deiner Ortsgemeinde.
Auf die Belohnung schauen
Wer die Mission in Betracht zieht, sollte die Kosten bedenken – aber dabei nicht stehenbleiben. Er sollte auch die Belohnung bedenken. In einer seiner schwierigsten Zeiten schrieb Paulus, dass „die gegenwärtige leichte Bedrängnis uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit“ schafft (). Welche Mühsal wir auch immer für Christus erleiden – sie ist vorübergehend. Die Belohnung, die er verheißt, währt ewig.
Belohnungen anzustreben kann sich für uns selbstsüchtig anfühlen, aber das muss es nicht. Es wäre unmenschlich gewesen, Kim zu heiraten und dabei nicht durch die Belohnung motiviert zu sein, mein Leben mit ihr zu verbringen! Ebenso ist unsere ewige Belohnung kein privater Schatz, den wir selbstsüchtig horten. Sie ist ewige, gesegnete Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott.
Dazu gehört auch die Gemeinschaft der Heiligen, von denen wir einige ins ewige Leben begleiten dürfen. Paulus nennt die Thessalonicher seinen „Ruhm und seine Krone“ bei der Wiederkunft des Herrn Jesus (). Er sagt, dass die Philipper „meine Freude und meine Krone“ sind (). Eine der größten Belohnungen – die Siegeskrone –, die Paulus in seinem Missionsdienst antrieb, war die Errettung derer, um die er sich mühte. Er wollte die Ewigkeit mit ihnen verbringen und ihre Seligkeit teilen, während Gottes Herrlichkeit hell in ihnen widerstrahlt.
Kürzlich sprach ich mit einer Gruppe von Missionskandidaten, die voller Begeisterung über die Zukunft waren. Wir sprachen über die Kosten und darüber, was es bedeutet, die Gnade zu empfangen, einen Dienst im Ausland zu beginnen. Ich hoffe, dass sie das ernst genommen haben. Wir sprachen auch über die Belohnung. Wir sprachen darüber, wie sie jede Schwierigkeit, die beim Erreichen der Verlorenen entsteht, für immer überdauern wird – und wie sie jeden Preis unendlich aufwiegt, so schmerzhaft und schwer er auch sein mag.
Das Flugzeug besteigen
Ein Leben im Missionsdienst zu beginnen ähnelt ein wenig dem Einstieg in die Ehe.
Hätte mich jemand im Flugzeug gefragt, warum ich Kim heiraten wolle, obwohl die Ehe auch Schwieriges mit sich bringt, hätte ich gesagt: „Sicher, wir werden vielleicht auf Herausforderungen stoßen, aber sie sind nichts im Vergleich zur Freude, mit ihr zusammen zu sein!“ Wenn die Belohnung groß genug ist, fürchten wir die Kosten nicht.
Ich möchte nicht, dass Menschen auf das Missionsfeld gehen, denen Gott nicht die Gnade dafür gegeben hat. Aber ich möchte auch nicht, dass ich Menschen eine ähnliche Botschaft mitgebe wie die Leute im Flugzeug Kim und mir – so etwas wie: „Ich erinnere mich noch an das Gefühl dieser aufregenden ersten Schritte ins Feld. Es wird nicht anhalten.“ Die Begeisterung mag kommen und gehen, aber für die, denen Gott Gaben gegeben hat, wird die Belohnung – und sogar viele Teile des Weges dorthin – weit besser sein als diese ersten Schritte.
Und die Belohnung wird ewig währen.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.