„Den Abendmahlsgottesdienst zu leiten“, schreiben R. Kent Hughes und Douglas Sean O’Donnell, „gehört zu den kostbarsten und tiefgründigsten Vorrechten und Diensten eines Pastors.“ Und doch wird das Abendmahl – sowohl in seiner Praxis als auch in seiner Theologie – in der heutigen Gemeinde zunehmend vernachlässigt. Diese Wahrheit traf mich während meines Theologiestudiums. Als ich mich darauf vorbereitete, in meiner Gemeinde beim Abendmahl zu predigen, wurde mir klar: Ich hatte keine Theologie des Abendmahls. Ich hatte darüber schlicht nicht konzentriert nachgedacht.
Ich verschlang Bücher über Predigt, Seelsorge, Gebet und Theologie, dazu zahlreiche Kommentare. Aber an Ressourcen zum Abendmahl hatte ich mich nicht versucht – keine Predigten, keine Bücher, keine Artikel. Ich wusste, dass Paulus in vom Tisch des Herrn spricht und dass ich als Christ daran teilnehmen sollte – mehr nicht. Ich hatte es versäumt, über dieses „kostbare und tiefgründige“ Vorrecht ernsthaft nachzudenken.
Heute wird das Abendmahl von vielen seltener und gleichgültiger gefeiert. Das sollte nicht so sein. Jeder, besonders Gemeindeleiter, muss über die Häufigkeit, Bedeutung und den Nutzen des Abendmahls nachdenken. Ich möchte dir helfen, tiefer über die Frage nachzudenken, wer zum Abendmahl zugelassen werden sollte. Wenn das Abendmahl ein kostbares und tiefgründiges Vorrecht ist, dann ist die Frage, wer daran teilnimmt, von großer Bedeutung.
Gängige Positionen zum Abendmahl
Es gibt vier verbreitete Antworten auf diese Frage.
1. Offenes Abendmahl ohne Einschränkung
Befürworter eines vollständig offenen Abendmahls nehmen ernst: „Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch.“
Niemand außer Gott kann in das Herz eines anderen blicken und sehen, was dort ist (). Daher argumentieren die Vertreter dieser Position, sie hätten kein Recht, jemanden von der Teilnahme auszuschließen, wenn das Abendmahl gefeiert wird. Das Abendmahl steht jedem offen, der teilnehmen möchte.
2. Offenes Abendmahl mit Einschränkungen
Befürworter eines eingeschränkt offenen Abendmahls erkennen an, dass wir zwar nicht in die Herzen anderer blicken können, aber die Schrift deutlich macht, dass das Abendmahl Gläubigen vorbehalten ist. Das ist in gewissem Sinne naheliegend: Nur Gläubige können an einem Mahl teilnehmen, das eindeutig als Feier des Evangeliums gedacht ist (; ; ).
Die Beschränkung auf Gläubige wird auch durch die Lektüre von im Zusammenhang mit Vers 27 gestützt: „Wer also unwürdig von diesem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der macht sich schuldig an dem Leib und Blut des Herrn.“
Außerdem berufen sich die Vertreter dieser Position darauf, dass das Abendmahl eine Gemeindeordnung ist. Man beachte die gemeinschaftliche Sprache in : „zusammenkommen“ (V. 17, 18, 20, 33, 34). Angesichts dieser Wahrheit muss die Gemeinde deutlich machen, dass nur Gläubige am Abendmahl teilnehmen dürfen.
Das Kirchenordnungsbuch der Presbyterian Church in America beispielsweise definiert das offene Abendmahl nicht als Einladung an die allgemeine Öffentlichkeit, sondern als Einladung an anerkannte Kirchenmitglieder aus jeder evangelikalen Gemeinde.
3. Eingeschlossenes Abendmahl (Close Communion)
Befürworter dieser Position fügen hinzu, dass die Gemeinde nicht nur die Pflicht hat, das Abendmahl abzugrenzen, sondern dass die Teilnehmenden auch eine Verantwortung gegenüber der Gemeinde tragen. Wer unwürdig teilnimmt, „macht sich schuldig an dem Leib und Blut des Herrn“ (V. 27).
Diese „Leib“-Sprache, die in Vers 27 auf Jesus verweist, wird in Vers 29 wieder aufgenommen: „Denn wer isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, der isst und trinkt sich selbst das Gericht.“ Paulus denkt in Vers 29 höchstwahrscheinlich an die Gemeinde als Leib Christi.
Die Befürworter dieser Position schlussfolgern, dass man zur Teilnahme am Abendmahl Mitglied einer gleichgesinnten Ortsgemeinde sein und man dort einen guten Ruf haben muss. Für viele Baptisten bedeutet das, dass die Teilnehmenden als Gläubige getauft sein müssen.
Baptisten betrachten die Gläubigentaufe als den Startschuss des christlichen Lebens – die öffentliche Bekanntmachung, dass Jesus einen Menschen errettet hat, der nun für Jesus lebt. Das Abendmahl hingegen ist das fortlaufende Zeichen der Errettung. Es ist die Bundeserneuerungsfeier der Gemeinde, eine Erneuerung unseres Vertrauens in Jesus und unserer Treue zu ihm. Aus diesem Grund argumentieren Baptisten, die diese Position vertreten, dass nur diejenigen am fortlaufenden Zeichen (Abendmahl) teilnehmen dürfen, die zuvor das Eingangszeichen (Gläubigentaufe) empfangen haben.
4. Geschlossenes Abendmahl (Closed Communion)
Diese beiden Gemeindeordnungen gehören, wie oben ausgeführt, nicht einzelnen Christen, sondern der Gemeinde. Sie sollten nicht losgelöst von einer Ortsgemeinde praktiziert werden. Aus diesem Grund vertreten die Befürworter des geschlossenen Abendmahls die Auffassung, dass nur förmliche Mitglieder der Gemeinde, in der das Abendmahl gefeiert wird, daran teilnehmen dürfen. Wenn die Taufe die Tür in Gottes Familie ist, dann ist die Mitgliedschaft das Leben in Gottes Familie – und das Abendmahl die Familienmahlzeit im gemeinsamen Haus.
Zwei weitere Überlegungen sprechen ebenfalls für diese Position.
Erstens: der Zusammenhang zwischen Abendmahl und Gemeindezucht. Eine unabhängige Ortsgemeinde kann kein Mitglied einer anderen unabhängigen Ortsgemeinde disziplinieren. Wenn das aber nicht möglich ist, dann sollte es auch nicht möglich sein, Mitglieder einer anderen Gemeinde zum Abendmahl zuzulassen. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, Bekehrte und Unbekehrte am Tisch zu unterscheiden, wenn das Abendmahl nicht den Mitgliedern einer Ortsgemeinde vorbehalten ist. Und wenn jeder selbst über seine Würdigkeit zur Teilnahme entscheiden soll, wird Gemeindezucht überflüssig.
Zweitens: Eine Ortsgemeinde, die eine Mitgliedschaft Wiedergeborener praktiziert, tut dies mit dem Ziel, die universale Gemeinde abzubilden, die beim Hochzeitsmahl des Lammes zusammenkommen wird (). Nur Mitglieder besitzen die Bestätigung der Gemeinde, dass sie wahre Gläubige sind – und daher sollten auch nur sie zum Abendmahl in der jeweiligen Gemeinde zugelassen werden.
Warum es darauf ankommt
Ich bin überzeugt, dass eine differenzierte Position des geschlossenen Abendmahls – mit gewissen Ausnahmen für Gastpastoren und Mitglieder im Aufnahmeprozess – der Schrift am treuesten ist. Aber was zählt, ist nicht unbedingt, dass du oder deine Gemeinde zu derselben Schlussfolgerung wie ich gelangt. Was zählt, ist tiefes Nachdenken über das Abendmahl.
Das können wir tun, indem wir innehalten und uns eine einfache Frage stellen: Wer sollte zum Abendmahl zugelassen werden? Solche Fragen führen uns, wie wir gesehen haben, zu einer Reihe verwandter theologischer und praktischer Überlegungen, die uns dazu zwingen, ernsthaft darüber nachzudenken, was wir eigentlich tun, wenn wir das Abendmahl feiern. Dieses tiefe Nachdenken macht uns bewusst, dass die Vernachlässigung dieses kostbaren Gnadenmittels – in Praxis und Theologie – falsch ist und korrigiert werden muss.
Wenn du tiefer über das Abendmahl nachdenkst, wirst du darin ein kostbares und tiefgründiges Vorrecht entdecken – nicht nur für die, die es leiten, sondern auch für die, die daran teilnehmen.
Davy Ellison (PhD, Queen’s University, Belfast) ist Ausbildungsleiter am Irish Baptist College. Er dient außerdem als Ältester in der Antrim Baptist Church. Er ist Autor von The Holy One of Israel: Exploring Isaiah, Five: The Solas of the Reformation und Meekness and Majesty.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.